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Stellungnahme

 

Im April diesen Jahres ist im arabischsprachigen Anzeigenblatt „Al-Salam“ ein Artikel erschienen, in dem der Autor seine persönlichen und homophoben Ansichten zu Homosexualität und ihren Konsequenzen darlegt. Die Reaktion der Öffentlichkeit auf diesen Artikel war zu Recht Empörung und Unverständnis. Auch wenn der Autor nur für sich selbst sprechen kann, entwickelte sich eine breite Debatte über die Einstellungen von Muslimen in Deutschland zu Homosexualität.

Ausgehend von den Aussagen des Korans gibt es unter muslimischen Gelehrten den Konsens, dass homosexuelle Handlungen theologisch als Sünde zu betrachten sind. Ähnliches gilt – bekanntlich – auch für das Trinken von Alkohol oder außerehelichem Beziehungen. Handlungen, die islamisch-theologisch als Sünde betrachtet werden, können wir aus unserem Glauben heraus nicht gutheißen.

Gleichzeitig sind wir der festen Überzeugung, dass die sexuelle Orientierung, der Konsum von Alkohol, oder was auch immer in der islamischen Theologie als Sünde betrachtet wird, Privatsache ist. Ob wir etwas gutheißen oder nicht, wird und kann die Freiheit des Einzelnen in keiner Weise beschränken. Für uns handelt hier jeder Mensch eigenverantwortlich und wird im Jenseits – dies ist fester Bestandteil unserer islamischen Glaubensvorstellung – vor seinem Schöpfer für sein gesamtes Handeln Rechenschaft ablegen müssen.

Auch wenn wir Homosexualität als solche nicht gutheißen, verurteilen wir jegliche Form der Verfolgung oder gar Gewaltanwendung gegen Homosexuelle. Wir wenden uns entschieden gegen jegliche Form der Diskriminierung und Verfolgung irgendwelcher gesellschaftlicher Gruppen einschließlich der Homosexuellen.

Zum Schluss sei angemerkt, dass in der aktuellen Berichterstattung über den oben genannten Artikel manche Autoren direkt oder auch indirekt die Vorstellung bzw. Aussage kritisieren, dass Homosexualität eine Sünde ist. Hierdurch erwecken sie den Eindruck, dass dies eine Ursache von Homophobie sei. Nicht die Glaubensvorstellung führt zu Homophobie, sondern vielmehr ein mangelndes Verständnis über die Freiheit des Einzelnen. Muslime – und nicht nur sie – wird man für den Kampf für individuelle Freiheit nicht gewinnen können, indem man Glaubens- und Moralvorstellungen kritisiert. Stattdessen erreicht man das Gegenteil. Entscheidend ist vielmehr die Vermittlung eines richtigen Verständnisses für die vielfältige Freiheit des Einzelnen bzw. des Anderen unabhängig von den eigenen Überzeugungen, die jeder Mensch wiederum für sich frei wählen kann.

Absender: Sieben muslimische Vereine aus Berlin

 

 

Aktion gegen Zwangsheiraten

 

Hand in Hand gegen Zwangsheirat – so lautet der Titel der Rotterdamer Initiative, die am 15. Juli im Kreuzberg Museum in Berlin vorgestellt und diskutiert wurde. Auf dem Podium sitzen unter anderem Marianne Vorthoren von der Stiftung SPIOR, die das Projekt in Rotterdam initiiert und angeleitet hat. Tariq Ramadan ist Schirmherr dieses Projekts und hat sich inhaltlich mit der Thematik auseinander gesetzt.

Die Veranstaltung ist gleichzeitig Auftakt für das „Aktionsbündnis Zwangsheirat“, das sich vor zwei Monaten mit den Vereinen inssan e.V., Muslimische Jugend in Deutschland e.V., der Neuköllner Begegnungsstätte und unabhängigen Frauen in Berlin gegründet hat und nun das niederländische Modell in ähnlicher Weise auf Deutschland übertragen möchte. Dass das Interesse daran groß ist und die Notwendigkeit gesehen wird sich mit dem Problem von Zwangsverheiratung auseinanderzusetzen und aktiv zu werden, beweist die Anwesenheit von etwa 150 Gästen – Politiker, Journalisten, Sozialarbeiter, Interessierte. So eng ist es, dass im dritten Stock noch ein Raum mit Videoübertragung zur Verfügung gestellt werden muss. „In Rotterdam wurden 2007 109 Fälle von Ehrverbrechen gezählt, etwa die Hälfte davon waren Zwangsverheiratungen“, erläutert Vorthoren. Die Dunkelziffer ist vermutlich hoch. „In Berlin sind uns etwa 330 Fälle von drohender oder erfolgter Zwangsverheiratung bekannt“, so Petra Koch-Knöbel, Gleichstellungsbeauftragte des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, aktiv im Berliner „Arbeitskreis gegen Zwangsverheiratung“ und ebenfalls Teilnehmerin der Podiumsdiskussion.

Wir können gemeinsam dafür sorgen, dass es nicht zu Zwangsheiraten kommt, und dafür müssen wir aufklären und sensibilisieren“, sagt Berlins Integrationsbeauftragter Günter Piening gleich zu Anfang. „Zwangsheirat passiert in vielen Kulturen – in christlichen Familien in Pakistan, auf der aristokratischen Ebene in Europa, unter Sinti und Roma usw.“, betont Tariq Ramadan. In Deutschland kommen vor allem die „muslimischen“ Fälle zur Sprache, da die hiesigen Einwanderer meist türkischer Abstammung sind. Die Initiative „Hand in Hand gegen Zwangsheirat“ als Kooperation verschiedener Moscheegemeinden, aber auch „säkularer“ Vereine, will zeigen, dass der Islam nicht Grund des Problems von Zwangsehen ist, sondern als Teil der Lösung gesehen werden sollte. Viele Koranverse und Aussprüche des Propheten Mohammed weisen darauf hin, dass Zwangsehe aus islamischer Sicht nicht zu rechtfertigen ist.

Darauf deutet der Berliner „Jugendimam“ Ferid Heider auf dem Podium hin. „Ich sage meinen Schülern in der Moschee immer: Hört nicht auf eure Eltern!“. Gelächter im Raum. Natürlich meint er damit, dass Eltern respektiert werden sollen – aber nicht, wenn es um psychische oder körperlicher Gewalt und auch um Zwangsverheiratung geht. Da geht es um ihre eigenen Rechte, die sie wahrnehmen dürfen. Müssen! Marianne Vorthoren erzählt von ihren praktischen Erfahrungen. In vielen Seminaren gab es Leute, die wirklich geglaubt haben, dass Zwangsehe im Koran vorgesehen sei. Dabei hat jeder doch das Recht seinen Partner selbst auszusuchen. Viele Imame haben die Jungen und Mädchen dazu ermutigt. Einer hat es ganz praktisch ausgedrückt: „Sich kennenzulernen heißt nicht, dass ich jemandem ein zehn Jahre altes Bild vor die Nase lege und sage: das ist er!“ Das Publikum lacht – so absurd erscheint ihm diese Vorstellung. Dabei passiert das vielleicht sogar im eigenen Bezirk.

Präventiv arbeitet die Rotterdamer Initiative, und präventiv will auch das „Aktionsbündnis Zwangsheirat“ arbeiten. Und das, indem man mit Betroffenen, Gefährdeten und Beteiligten redet, bevor es zu spät ist. Das können Jugendliche, Männer und Frauen, Eltern und Kinder, Verwandte, aber auch Autoritäten wie Imame und Hodschas sein. SPIOR arbeitete hauptsächlich mit Moscheegemeinden zusammen, organisierte Seminare für die verschiedenen Zielgruppen und diskutierte mit Jugendlichen, Eltern und Imamen sowie Hodschas. Dadurch konnte sie bereits etwa 1500 Menschen erreichen.

Noch hat das „Aktionsbündns Zwangsheirat“ keine finanzielle Unterstützung, aber „alle wichtigen Moscheegemeinden in Berlin haben wir schon mit ins Boot holen können. Sie finden das Projekt toll“, so Tasnim El-Naggar, die als Vertreterin des Aktionsbündnisses auf dem Podium sitzt. Das Publikum ist von der Initiative mindestens genauso begeistert. Jetzt heißt es: Ärmel hochkrempeln und anpacken. Hand in Hand. Gegen Zwangsheirat.

 


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